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Coaching für Menschen mit Diabetes

16. November 2016

Als Diabetiker gibt es viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden-und zu entwickeln. Dafür stehen uns andere Diabetiker, Diabetologen, Diabetesberater, Schulungsprogramme aber auch Psychologen zur Seite.
Seit einiger Zeit gibt es zusätzlich eine weitere Möglichkeit, sich mit seinem Diabetes auseinanderzusetzen und persönliche Probleme bei der Wurzel zu packen: Das Coaching für Menschen mit Diabetes. Was genau das ist, wollen wir heute in einem Interview mit zwei Coaches erfahren:

Christian von DiaCoach

 

Ina von Fliegende Fische Coaching
Ina von Fliegende Fische Coaching

Erzählt mal, was kann ich unter „Coaching für Diabetiker“ verstehen?

Christian:
Coaching an sich ist eine Möglichkeit zu lernen, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und das ein oder andere Problem vielleicht mit anderen Augen zu sehen. Coaching kann schnell und effizient helfen, seine eigene Einstellung zu ändern und dabei aus dem eigenen Teufelskreis auszubrechen.

Ina:
Der Alltag mit Diabetes bietet eine Menge Herausforderungen und Fragen auf ganz13419190_1753417648267582_7909976199743382723_n vielfältige Weise: Wie werden meine Lebensziele durch den Diabetes beeinflusst? Wie kann ich mich selbst motivieren? Wie kann ich mit der Reaktion meiner Kollegen, Freunde und meiner Familie umgehen? Wie kann ich mein Leben mit Diabetes selbst organisieren?
Als Coach wollen wir dabei ergänzend zu Ärzten und Schulungsprogrammen helfen, sich

intensiv und persönlich mit diesen Fragen und Sorgen auseinanderzusetzen und damit die eigenen Ziele zu erreichen.

Christian:
Ganz wichtig: Dabei sehen wir das Coaching als eine Ergänzung zur medizinischen Diabetestherapie. Wir wollen unkompliziert helfen, seinen eigenen Weg zu finden und selbstauferlegte Probleme, mit denen wir uns das Leben unnötig schwer machen, zu beseitigen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Coaching für Diabetiker anzubieten?

Christian:
Nach meiner Diagnose und der darauf folgenden Einstellung in einer Diabetesklinik fiel mehr der Einstieg in den Alltag alles andere als leicht. Plötzlich musste ich Sport, Hobbies und Beruf mit Diabetes unter einen Hut bekommen und dabei lernen, auf die Signale meines Körpers zu hören.
Als ich im Internet auf die große Online-Community traf, fiel mir auf, dass viele Menschen mit Diabetes noch viele viele weitere Probleme haben: In der Beziehung, im Job und mit sich selbst.
Da kam mir die Idee, meinen Beruf als Coach mit dem Diabetes zu verbinden und daraus ein Projekt zu machen.

Ina:
Meine Ausbildung zum Coach und zur Mediatorin habe ich 2015 abgeschlossen. Bereits kurz danach ist die Idee gereift, Coaching und Mediation (Konfliktlösung) für Menschen mit Diabetes anzubieten. Ich bin selber seit über 25 Jahren Typ-1 Diabetikerin und durch meine Coaching-Ausbildung habe ich meine Beziehung zu meinem Diabetes positiv verändert. Was mich unterstützt hat, wollte ich zukünftig auch anderen Menschen zugänglich machen.

Wie kann ich mir so ein Coaching vorstellen?

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Einzelcoaching bei DiaCoach

Christian:
Wir richten uns an Neudiabetiker und alte Hasen, aber auch an deren Angehörige, die sich Unterstützung wünschen. Das kann ich Form von Einzelcoaching oder Workshops stattfinden. So bin ich beispielsweise zwei Mal monatlich in der Diabetesklinik „Bad Nauheim“ vertreten, um dort Vorträge zum Thema Motivation zu halten und Workshops zu veranstalten.
Wir bieten außerdem Schulungen und Seminare für Unternehmen und Apotheken an, damit sie sich besser auf Menschen mit Diabetes einstellen können.

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Ina im Workshop

Ina:
Ähnliche Angebote mache ich auch meinen Klienten. Die Einzelcoachings finden dann entweder persönlich oder per Skype statt. In den Workshops arbeiten wir als Kleingruppe zusammen, um herauszufinden, wir jeder einzelne den Diabetes besser im Alltag integrieren kann.
Zusätzlich erscheinen von Christian und mir Online Beiträge zum Thema Motivation, Veränderungen, Konflikten oder ganz allgemein zum Leben mit Diabetes.
Auch Online-Aktionen wie die Blutzucker-Messen-Challenge finden regelmäßig statt, in der die Teilnehmer täglich eine Email mit einer kleinen Aufgabe bekommen, um so gemeinsam an ihrer Motivation zu arbeiten.

Wie finde ich ein passendes Coaching für mich und meine Bedürfnisse?

Christian:
Coaching ist kein geschützter Begriff, jeder kann sich also Coach nennen. Andererseits hat man als Coach eine große Verantwortung, denn man kann viel anrichten. Bei DiaCoach zählt es zu den Grundbedingungen für eine Mitarbeit, dass man eine fundierte und anerkannte Ausbildung in dem Bereich hat und nachweisen kann, dass man weiß, was man tut. Am Ende soll den Klienten schließlich geholfen werden.

Ina:
Das Sprichwort „auf jeden Topf passt ein Deckel“ passt hier ganz gut, denn es gibt eine große Auswahl an Coaches mit unterschiedlichen Angeboten und unterschiedlichen Coaching-Methoden. Es gibt nicht den einen Coach, der für alle passt.
Entscheidend für das Ergebnis des Coachings ist eine gute Kunden-Coach-Beziehung. Ein kurzes Erstgespräch hilft beiden Seiten, einen ersten Eindruck zu bekommen und die Rahmenbedingungen zu besprechen. Da die Krankenkasse die Kosten für ein Coaching nicht übernimmt, ist es schließlich wichtig zu klären, wie das Investment in die eigene Gesundheit zukünftig aussehen und was es bewirken soll.

Wie geht es zukünftig weiter?

Christian:
Ein großer und wichtiger Schritt für uns als DiaCoaches war die Zusammenarbeit mit der Diabetesklinik Bad Nauheim und deren Chefarzt Dr.Eckhard. Auch wenn die Skepsis dem

Kollegialer Austausch in Bad Nauheim
Kollegialer Austausch in Bad Nauheim

Coaching gegenüber zu Beginn sehr groß war, leisten wir mittlerweile eine toll funktionierende Arbeit als Ergänzung zur medizinischen Therapie. Ich würde mir wünschen, dass Coaching zukünftig nicht nur bei Topmanagern, sondern auch bei ganz normalen Menschen zum Einsatz kommt und dass noch mehr Menschen mit Diabetes die Möglichkeit eines Coachings erhalten, um das Leben mit der Krankheit einfacher zu machen.
Achja, und dann haben wir inzwischen auch einen DiaCoach in der Stuttgarter Gegend und es kommen weitere hinzu, damit wir irgendwann in ganz Deutschland gut erreichbar sind.

Ina:
Was klein begonnen hat, kann nun wachsen. Ich wünsche mir, dass viele Menschen den Weg zum Coaching und damit zu ihrem persönlichen Weg im Alltag mit dem Diabetes finden. Es wäre toll, wenn noch mehr Menschen diese Chance für sich ergreifen und nutzen würden.

 

Neugierig geworden? Für weitere Informationen und Kontakt zu den Coaches klickt:

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www.diacoach.de

 

fb-fliegende-fische-weiss
www.fliegende-fische.net

 

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