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Falscher Ehrgeiz oder pure Unfähigkeit?

3. Juni 2016

Falscher Ehrgeiz oder pure Unfähigkeit?

Ich bin ein fröhlicher, optimistischer Mensch – eigentlich.
Aber manchmal gibt es Stunden, Tage oder Wochen die über mich hineinbrechen und drohen mich zu überwältigen.
Momentan habe ich wohl so eine Phase.

Irgendwie ist alles zu viel.

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Die Klausurphase steht bevor…

Die Vorlesungen sind anstrengend, die Klausurphase steht bevor. Meine eigenen Ansprüche zu erfüllen scheint immer öfter schlichtweg unmöglich zu sein. Aber einsehen, dass ich nicht alles perfekt leisten kann? Das fällt mir wahnsinnig schwer.

Ich scheine mir momentan ständig selbst im Weg zu stehen. Ich will mich in meinem neuen Hobby, dem Nähen, ausprobieren und entwickeln. Ich will meinen Haushalt schmeißen. Ich will lernen, um für die Klausurphase vorbereitet zu sein. Ich will mein Auslandspraktikum vorbereiten. Ich will Sport treiben, um endlich wieder mein Zielgewicht zu erreichen.

„Steine im Weg“…

Und während ich all das will stehen mir drei Dinge im Weg:
1. Die Zeit- ich bin jeden Tag von 6 bis 19 Uhr in der Hochschule und danach völlig erledigt. Ich habe das momentan das Gefühl, mir rennen die Stunden des Tages einfach davon.
2. Meine Motivation- ich nehme mir oft Dinge vor, versuche Struktur in meine freie Zeit zu bringen und schaffe letztendlich doch nur einen Bruchteil dessen, was ich geplant hatte. Entweder, weil ich mich verzettel oder weil ich am Ende des Tages aus einem großen schwarzen Energieloch zu bestehen scheine.
3. Ich selbst. Ich weiß, dass ich oft übertrieben ehrgeizig bin. Ich will so vieles und das soll dann natürlich alles gleichzeitig und am besten sofort passieren…

… aber das klappt natürlich selten bis nie.

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Hypozeit!

Und ja- jetzt muss ich wirklich einmal in Selbstmitleid baden- auch Diabetes und Hashi (Hashimoto Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse) überfordern mich momentan andauernd.
Während ich diese Zeilen schreibe merke ich die drohende Hypo. Mein Kopf flüstert mir die vielen Kalorien und das von klein auf gelernte Wissen zu um mich bei den BEs zu disziplinieren – während mein Körper nach zusätzlichen Hypo-Helfern schreit.

Letztendlich gebe ich natürlich meinem Körper nach. Und ich fühle mich beschissen. Weil ich zum dritten Mal in drei Tagen unterzuckere- anscheinend bin ich unfähig, meinen Körper zu verstehen. Oder doch einfach überambitioniert?
Ich weiß es nicht. Und ärgere mich darüber, dass ich nie irgendetwas wirklich zu wissen scheine.
Die bleierne Müdigkeit, die mich durch die Hypos und meine schlecht eingestellte Schilddrüse momentan gefangen hält rauben mir manchmal die letzten Kraftreserven. Und wieder bin ich unzufrieden mit mir. Ich wollte doch zum Sport…und jetzt liege ich wieder auf der Couch. Unfähig zu denken. Unfähig zu handeln. Unfähig, unfähig, unfähig.
Unfähig scheint das Wort zu sein, das mich momentan täglich begleitet.
Ich stecke mir ständig neue Ziele, drifte wieder ab und ärgere mich hinterher, dass ich nicht verbissen genug an ihrer Verwirklichung gearbeitet habe.
Meine Werte sind so gut wie lange nicht- trotzdem (oder grade deshalb?) verurteile ich mich für schlechte Ausreißer.

Das Ziel:

Ich versuche, mich auf Schaffbares zu konzentrieren. Auf Dinge, die bevorstehen und die ich anpacken muss.
Und wieder komme ich spät am Abend nach Hause und lege meine schmerzenden Beine hoch während mich der Stapel Skripte auf meinem Schreibtisch verhöhnt und die Waage schadenfroh lacht, weil ich die nächste Hypo-BE zwischen meine Zähne schiebe.
Unser Blog ruft nach mir, wartet gierig auf neue Zeilen, auf Kommentare und Diskussionen und ich zweifel wieder: Sind meine Gedanken überhaupt lesenswert? Wird überhaupt jemand verstehen, was in mir vorgeht?
Ich weiß- es kommen wieder bessere Tage. Das Leben mit Diabetes ist nunmal jeden Tag anders- eine Achterbahn mit Bergen und Tälern, mit Drehungen und Wendungen.
Ich versuche, mich für meine Familie, für Janis, für meine Freunde und meine fantastische Diabetologin anzustrengen, mich selbst anzutreiben und meinen Optimismus wiederzufinden. Aber manchmal…ja manchmal muss ich mir wohl einfach einmal selbst „verzeihen“. Ich predige es immer wieder ; wiederhole es für mich selbst wie ein Mantra: Ich bin KEIN ROBOTER. Ich bin ein Mensch. Ich mache Fehler. Und das ist okay. Ich bin okay so wie ich bin.

Ich schaffe das!

Ich werde wieder versuchen, meinen Ehrgeiz zu bremsen und meine Fehler zu akzeptieren. Ich werde versuchen, mich zu belohnen und mich weniger unter Druck zu setzen. Und ich werde lernen, mir Zeit zu nehmen für das, was mir wirklich wichtig ist.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein erholsames Wochenende.
Alles Liebe,

Eure Caro

  1. Ich kenne das nur zu gut! Dadurch, dass ich in meinem Beruf auch sehr eingebunden bin und auch immer spät nach Hause komme, schafft man vieles nicht, was man sich vornimmt. Vor allem der Sport bleibt auf der Strecke! Ich habe aber einen Weg gefunden besser auf meine Ernährung achten zu können. Die App „Yazio“ ist wirklich gut, wenn man den Überblick behalten möchte, was man zu sich nimmt. Gerade für Diabetiker ist es einfacher mit dem Schätzen der BEs, da man gezwungen ist alles abzuwiegen, ja ALLES! Ich bereite mir meistens Abends mein Frühstück und mein Mittagessen für den nächsten Tag vor (Obst und Salat). Diese einzelnen Zutaten abzuwiegen ist am einfachsten. Du setzt dir mit der App sozusagen dein persönliches Ziel. Das motiviert einen auch um einiges! Es ist manchmal hart aber es lohnt sich. Man fühlt sich nach kurzer Zeit einfach besser/gesünder! Und die Lust auf Sport kommt dann von ganz alleine. Zumindest geht es mir so. Für deinen vollen Tagesplan ist es natürlich schwierig die Zeit für Sport zu finden aber eine halbe Stunde am Tag hilft schon… Danach ist der Kopf auch wieder freier und aufnahmefähiger. Ich habe die Lernerei zum Glück schon hinter mir! Aber alles geht irgendwann vorbei! Außer natürlich der Diabetes… 🙁 damit müssen wir ein Leben lang leben. Ich wollte dir hiermit mitteilen, dass es natürlich nicht immer einfach ist, aber du bestimmst dein Leben und wenn du dich mit Kleinigkeiten besser fühlst, werden deine „Schritte“ immer größer. Viel Erfolg bei allem!

    1. Danke für deine Worte Simone!
      Ich habe für mich eigentlich auch einen sehr guten Tagesryhtmus herausgefunden. Aber grade, wenn auch der Hashimoto zusätzlich zum Diabetes zuschlägt und am Abend selbst das Duschen anstrengend erscheint rennt die Motivation meistens kreischend davon 😉
      An den Wochenenden versuche ich jetzt, mir Ausgleich zu schaffen- auch Apps motivieren mich da sehr. Danke für deinen Tipp. Die FDDB App hat mir für einen Überblick über meine Kalorienzufuhr auch immer sehr geholfen- und für die BE Berechnung ist sie auch echt praktisch:)
      Sport ist eigentlich ein toller Ausgleich…aber wie das immer so ist: Es kommt etwas dazwischen und schon ist der eigentliche Plan vergessen.
      Ich versuche natürlich trotzdem, mir in den Allerwertesten zu treten. In diesem Sinne:
      TSCHAKKAAA! Wir schaffen das 😉

  2. Liebe Caro!

    Da hast du jetzt einen tollen Artikel verfasst! Aber wenn Dein Leben dich mal wieder plagt, sage dir doch einfach: „Ich bin mir genug!“ Du bist eine tolle junge Dame und machst alle Dinge (da bin ich mir sicher) mehr als perfekt. Mehr muss nicht sein 🙂

    1. Danke liebe Heike für deine aufmunternden Worte!
      Es tut immer gut zu wissen, dass man immer wieder so viel Unterstützung erhält 🙂
      Manchmal ist irgendwie einfach Frustabbau nötig- und dann hilft das Schreiben ungemein! 🙂

  3. Ich drücke Dir mega die Daumen, dass Du die Stress gedingten Schwankungen bald hinter dir hast und dass Du sie dir nichts anhaben können. viele Grüße aus Berlin, Charlotte

    1. Vielen Dank liebe Charlotte!
      Momentan gehe ich in die letzte Phase meiner Zwischenprüfungen über und bin froh, bald 2 Wochen lang die Seele baumeln lassen zu können 😉
      Liebe Grüße!
      Caro

  4. so meine Püppi, jetzt ist das alles schon wieder ein paar Wochen her….lies nochmal und höre in Dich hinein, wie es heute aussieht 😉
    es wird immer wieder so sein, das die Zeit davonzufliegen scheint und alles scheint über einem zusammenzubrechen, Frau hat das Gefühl nichts zu schaffen und nichts richtig zu machen…löse Dich ein Stück davon, ALLES perfekt und SOFORT zu wollen, das funktioniert nicht…(wir sind uns ähnlicher, als Du denkst) aber es ist ein Stück Weg, das zu akzeptieren ud auch umzusetzen. Wir sind da !!! LG Deine Mama

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