Wo bleibt das Verständnis?

„Als Diabetiker schwerbehindert? So ein Quatsch.“
„Stell dich nicht so an. Mit Diabetes ist man nicht eingeschränkter als ein Gesunder.“
„Mein Gott. Es ist NUR Diabetes und KEIN Krebs!“
„Nachteilsausgleich in der Uni oder Schule wegen des Diabetes? Das ist eine faule Ausrede“
….
Ihr denkt diese Sätze stammen von Außenstehenden, gesunden oder unwissenden Menschen, die nichts von Diabetes verstehen?
Falsch.
Diese Sätze stammen so oder so ähnlich aus unserer Community. Aus den Reihen derer, die alle in einem Boot sitzen.
Ich weiß, viele von euch schütteln jetzt verächtlich den Kopf, denken sich: Na und? Es stimmt doch. Manche stellen sich an als wären sie tot krank.
Und wieder entbrennt eine Diskussion in den sozialen Netzwerken darüber ob, inwieweit und weshalb wir Menschen mit Diabetes eingeschränkt sind. Was wir uns herausnehmen dürfen und was nicht. Was wir tun und lassen sollten, um zu zeigen, dass wir genauso leistungsfähig sind wie andere.

Es geht immer wieder um eines: Um Ausgrenzung. Keiner von uns will stigmatisiert werden, ausgegrenzt oder herabgestuft werden nur weil er Diabetes hat.
Doch müssen wir uns deshalb immer wieder selbst beweisen? Uns mehr anstrengen als alle anderen um genauso gut -nein- BESSER zu sein als „Gesunde“?

Ich finde: Nein.
Es gibt nunmal gute und schlechte Tage.
Es gibt Tage, an denen wir vor Kraft, Motivation und Optimismus strotzen.
Und dann gibt es Tage, an denen wir uns klein, schwach und ängstlich fühlen.

Manche von uns haben viele gute Tage, andere stecken monate-oder jahrelang in ihren schlechten Tagen fest.
Wir fordern von uns selbst, von uns gegenseitig: Schafft die Gradwanderung für eine Aufklärung!
Zeigt anderen, dass der Diabetes keine leichte Krankheit ist, die mal eben so weggeht.
Aber zeigt ihnen bloß nicht, dass ihr durch den Diabetes manchmal eingeschränkt seid.

Doch wer legt das fest? Wer bestimmt, wie wir uns zu verhalten haben, um eine gute Aufklärung und damit ein Ende der Stigmatisierung zu erreichen?

Lasst uns an einem Strang ziehen. Wir können viel bewegen- denn wir sind viele. Doch dazu gehört vor allem eins: Verständnis. Wenn wir uns untereinander nicht verstehen, wie sollen Außenstehende es tun?

 

Lasst uns gemeinsam Licht ins Dunkel bringen.
Lasst uns gemeinsam Licht ins Dunkel bringen.

Versuchen wir, ein wenig über unseren Tellerrand hinauszublicken. Zu versuchen, die Beweggründe der anderen zu verstehen, die eine so völlig andere Entscheidung treffen als wir es selbst tun würden.
Und lasst uns versuchen, unsere selbst auferlegten Regeln und Grundsätze, was ein Diabetiker darf und was nicht, nicht auf andere zu übertragen oder gar von ihnen einzufordern. Denn das bringt niemandem etwas.
Keiner von uns hat das Recht, jemand anderen anzufeinden, weil er andere Ansichten hat, sich anders fühlt oder anders mit seiner -unserer- Erkrankung umgeht.

 

Denn unsere Entscheidungen sind unser persönliches Gut- und Aufklärung kann auf vielen Wegen erreicht werden.

 

 

 

Quelle der Fotos: Pexels

8 thoughts on “Wo bleibt das Verständnis?

  1. Finde es super geschrieben so ist es wirklich manchmal überwiegen die schlechten Tage Wochen und Jahre denn wenn man sich bemüht und denkt es läuft dann resigniert der Körper wieder und alles wieder scheisse

  2. Ich finde diesen Beitrag toll! Ich gehe noch voll arbeiten in einem JC, bin 61, aber es gibt wirklich gute und schlechte Tage wie bei gesunden Menschen auch! Wenn man nicht ständig jammert und über seine Krankheit redet, denkt man selbst gar nicht soviel nach! Einfach das Glas als „halbvoll“ansehen, dann läuft das Leben!

  3. Super geschrieben!!!

    Und…es ist wahr…!

    Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Verständnis von meinen Mitmenschen…auch mal etwas Trost an meinem „schlechten“ Tagen, wenn wieder alles schiefgeht und der Diabetes macht was er will.
    Diabetes ist kein Krebs…aber ich fühle mich manchmal ebenso dazu verdammt, Stück für Stück auseinander zu brechen und Tag für Tag etwas mehr zu sterben.
    Und dann…an meinen „guten“ Tagen…bin ich Leistungsfähig und könnte Bäume ausreißen…nur so zum Thema: „Nur Diabetes“.

  4. Wisst ihr, es gibt „gute und schlechte Tage“ auch bei gesunden Menschen bzw. Menschen ohne Diabetes. Jeder soll es so nehmen, wie er möchte. Und ich möchte mich nicht nur auf meinen Diabetes reduzieren lassen, es muss nicht DAS Thema am Tisch sein und ich muss auch NICHT im Mittelpunkt stehen. Doof wird es für mich, wenn Leute versuchen aus ihren Diabetes Vorteile zu ziehen (sofern man es so überhaupt formulieren kann!?). Es gibt bestimmt Betroffene, wo ein Schwerbehindertenausweis sehr gerechtfertigt ist, aber DAS gilt längst nicht für jeden.
    So wie man auch im normalen Alltag Unterschiede akzeptieren sollte, so sollte man es auch beim Diabetes halten. Der eine Mensch ist belastbarer, als der nächste, aber ist das schon ein Grund für einen „Nachteilsausgleich“? Ich denke nein, aber das sollte jeder für sich selbst entscheiden.
    Ich bin ein sehr eingefleischter und lebensfroher Rheinländer und mag zwei Sprüche besonders gerne, da sie alles sagen und beinhalten:
    1. Leeve un leeve losse (Leben und leben lassen => ganz so wie man möchte)
    2. Jede Jeck is anders (jeck) (Jeder hat so seine speziellen Eigenarten, die man akzeptieren sollte)
    Ich denke damit ist alles gesagt.
    Mich braucht niemand vollzuquatschen wie krank ich seit 15 Jahren mit meinem Typ1 bin, denn ich fühle mich nicht krank. Ich versuche meinem Körper von „außen“ zur Seite zu stehen und es läuft mal besser, mal schlechter, aber immer völlig akzeptabel.

  5. Genau, nur Diabetes ist nicht schlimm, wenn man sich mit ihm arangiert. Klar, es gibt Tage da läuft es nicht so perfekt, inzwischen stecke ich das weg. Früher hab ich jedesmal Korrigiert, genau das ist falsch.
    Zur Zeit bin ich schon länger erkältet und dem entsprechend sehen auch meine Werte aus. Wenns vorbei ist sind sie ganz sicher wieder besser.😀

  6. so wie es jedem selbst überlassen ist wie er mit seiner krankheit (in diesem fall diabetes) umgeht, ist es auch jedem seine eigene entscheidung wie er darüber empfindet. jeder ist ein individuum und jeder darf sein leben so leben wie er will.
    in meinen augen eine etwas unnütze diskussion. leben und leben lassen und wenn gefordert eben hilfsbereitschaft zeigen.

  7. Echt auf den Punkt Dein Beitrag. Ich habe heute noch Kommentare zu einem Post gelesen, indem sich Diabetiker gegenseitig angefeindet haben, die Anfeindungen gingen auch genau um dieses Thema. Ich habe aber nicht verstanden um was es im eigentlichen Post wirklich ging. Ich finde auch das wir für uns untereinander viel Verständnis aufbringen sollten, denn oftmals gibt es einen guten Grund warum jemand in seinem „persönlichen Loch“ hängt. Andere brauchen allerdings auch mal einen Tritt in den Hintern. Ich habe in den letzten Jahren so viele verschiedene Geschichten und Schicksale gehört, das ich seit kurzem nun auch blogge. Mein Blog heißt, http://www.diabetes-lifestyle.indisu.com. Ich möchte damit Mut machen und informieren, vor allem auch für die, die unsicher sind, Hilfe und Tipps suchen. Ich werde Deinen Beitrag auf jeden Fall teilen.
    Ganz viele Grüße Dirk

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