Zuckerleben

Typ 1 Diabetes Blog
Allgemein

„Hackordnung“ unter Diabetikern

19. April 2016

Stigmatisierung unter Diabetikern

„Du bist selbst Schuld an deinem Diabetes“ oder „Würdest du mehr Sport machen bräuchtest du kein Insulin mehr“ oder auch „Diabetiker haben sich ihre Krankheit angefressen“ – ihr denkt, diese Sätze stammen von (gesunden) unwissenden Mitmenschen?
Leider nicht!

Hackordnung unter Diabetikern?

Ich finde es entsetzlich. Es macht mich traurig, fassungslos und vor allem eins: Stinkwütend!
Deshalb heute ein Aufruf, der mir auf der Seele brennt: Habt Respekt!

Worum geht es überhaupt? Kurz gesagt: Um Stigmatisierung.
Immer wieder lesen und hören wir es. Ob im Umfeld, online oder sogar in den Nachrichten. Diabetiker sind noch heute immer wieder Opfer von Mobbing. Wir treffen auf Unverständnis, auf Missverständnisse und auf Unwissen. Viele ärgert das (zu Recht) – ich sehe es persönlich immer wieder als eine Möglichkeit, aufzuklären. Nicht jeder kann  alles über jede Krankheit wissen.

Wir sitzen in einem Boot!

Als Diabetiker wissen wir, was es bedeutet mit einer chronischen Krankheit zu leben. Sie kann Angst machen, einem den Tag versauen, Beziehungen ruinieren, Leben beenden- ganz egal ob Typ 1, Typ 2, Typ 3 oder eine der vielen Unterarten…wir sitzen doch irgendwie alle in einem Boot, richtig?
Umso mehr schockiert es mich fast täglich, wenn ich solche vorwurfsvollen, fiesen und vor allem falschen Aussagen von Diabetikern lese, die damit andere Zuckerköpfe schlecht machen.

Folie1

Tatsächlich schäme ich mich für einige meiner Mitmenschen, wenn ich auch heute noch Sätze lese, die Diabetiker stigmatisieren- obwohl sie selbst betroffen sind.
Immer häufiger geht das in beide Richtungen.

Falsche Aussagen und Vorurteile

Ich lese unter Typ 1ern Sätze über Typ 2er wie: „Selbst Schuld, wenn man zu faul ist und sich seinen Diabetes anfrisst“ oder „Mein Gott- wieso stellen die sich so an? Sollen sie doch froh sein nur ein bisschen Sport machen zu müssen. Die müssen wenigstens nicht spritzen!“.

Gleichzeitig lese ich aber auch unter Typ 2ern Sätze über Typ 1er wie:
„Die haben ja keine Ahnung von Ernährung. Wenn sie keine Kohlenhydrate essen würden, bräuchten sie auch kein Insulin“ oder „Tja, ICH hab meinen Diabetes mit gesunder Ernährung in den Griff gekriegt. Selbst Schuld, wenn man zu faul ist um seine Lebensgewohnheiten zu ändern“.

Was um Himmels Willen ist da los? Wieso fallen ständig solche Bemerkungen?
Fakt ist: Typ 1 und Typ 2 sind grundverschiedene Erkrankungen. Und hinter diesen Erkrankungen stehen Individuen.
Wie es so schön heißt: Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Jeder geht mit seiner Last anders um. Meiner Meinung nach hat niemand ein Recht dazu, die psychische Situation, das Verhalten oder die Bemühungen eines (anderen) Diabetikers zu be- oder gar zu verurteilen.
Denn auch für uns gilt: Nicht jeder kann über jede Erkrankung alles wissen. Ich selbst behaupte nicht, mich in jedem Detail des Typ 2 auszukennen oder zurechtzufinden. Deshalb würde ich auch nie Behauptungen über diese Krankheit aufstellen, mit der ich keine persönlichen Erfahrungen habe.

Aufklärung ist das Stichwort!

Falsche Aussagen kundzutun und Vorurteile zu verbreiten bringt niemandem etwas- im Gegenteil:
Viele von uns bemühen sich (auch unbewusst) um Aufklärung. Das kann schon damit anfangen, in der Öffentlichkeit seinen BZ zu messen oder in der Mittagspause mit seinen Kollegen einen Spaziergang zu machen, um mehr Aktivität in den Alltag zu integrieren.
Diese Arbeit wird jedoch immer wieder Stück für Stück zunichte gemacht, wenn solche Sätze gedankenlos ausgesprochen werden.
Wir sollten zusammen arbeiten- denn wir können tatsächlich alle voneinander lernen und profitieren.  Respekt vor uns und unseren Leistungen zu haben und vielleicht auch mal über unseren Tellerrand hinauszuschauen…

…nur das macht uns gemeinsam stark!

 

    1. Da hast du Recht! Vorturteile zu verbreiten bringt niemandem etwas- und ist grade im Thema Aufklärung wirklich sehr kontraproduktiv.

Kommentar verfassen